Der Ländliche Raum wird maßgeblich von Wald (Staatswald, Kommunalwald oder Privatwald) geprägt. Deutschland besitzt an die 11.4 Mio. Hektar, rund ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald. Durch das zusätzliche Wachstum der Waldflächen in den vergangenen Jahren, kommen in Deutschland im Durchschnitt sieben Einwohner auf einen Hektar Wald. Laut Bundeswaldinventuren, die alle zehn Jahre stattfindet, gibt es in Deutschland über 90 Mio. registrierte Bäume. In Zeiten zunehmender Technisierung, Urbanisierung und der Tendenz, dass die arbeitsfreie Zeit bei der Bevölkerung wieder höheren Stellenwert einnimmt, gewinnen Freizeitaktivitäten in der Natur an Bedeutung. Beispiele dafür sind Wälder, die für Sportarten wie Wandern, Radfahren, Reiten, Fitness oder auch für Freizeitbeschäftigungen wie Geocaching, Klettern und als Waldlehrpfade genutzt werden. Immer häufiger finden auch Großveranstaltungen wie z.B. Laufwettkämpfe im Wald statt. Dabei wird oft übersehen, dass im Wald auch Gefahren drohen, die zu leichten aber auch zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen können. Darüber hinaus ist Wald in steigendem Maße von Verkehrstrassen (Bahn, Straße) und Infrastruktureinrichtungen (Gas-/Stromtrassen, Windkraftanlagen) durchzogen, an denen es zu Zwischenfällen kommen kann, so dass großräumige Bergungs- und Rettungsaktionen erforderlich werden. Indes stellen Rettungseinsätze in Wald und Naturflächen sowohl Betroffene als auch die Rettungskräfte vor deutlich erschwerte Bedingungen, die im Einsatzfall zu gesundheits- oder lebensbedrohlichen Verzögerungen und Einschränkungen führen können:

  • Die Meldung eines Zwischenfalls bei eingeschränkter Netzabdeckung.

  • Die Übermittlung der Lage eines Zwischenfalls und das Auffinden der Betroffenen bei

    geringen räumlichen Orientierungspunkten und fehlenden Adressangaben.

  • Die Unkenntnis der Erreichbarkeit oder die Befahrbarkeit der vermuteten Route.

  • Die Bergung und Versorgung der Betroffenen bei unzureichender Infrastruktur.

    Mit dem beantragten Projekt soll diese Lücke geschlossen und ein einheitliches Rettungskonzept unter Verwendung modernster IT- und Netztechnik entwickelt werden.
    Grundlage der Untersuchungen und Entwicklungen bildet die Erkenntnis, dass interaktive und mobile Geoinformationssysteme (GIS) sowie umfangreich verfügbare Geobasisdaten, verknüpft mit Fachdaten und Echtzeitinformationen in diesem Segment des Rettungs-Managements bisher nur unzureichend genutzt werden, obgleich hierin ein Potenzial zur Optimierung der Abläufe deutlich erkennbar ist und notwendige Technologien verfügbar sind und in anderen Bereichen, wie dem Katastrophenmanagement in Ballungsräumen bereits erfolgreich eingesetzt werden. Hintergrund des Projektes SIRENE ist die "Rettungskette Forst", unter der der Ablauf aller Hilfeleistungen, die notwendig sind, um verletzte Personen aus dem Wald zu bergen und zu versorgen, verstanden wird. Die Gesundheitsvorsorge und Gefahrenabwehr wird durch die Gesetzgebungskompetenz der Länder wahrgenommen. Das hat zur Folge, dass die Rettungsketten in den Bundesländern auch unterschiedlich umgesetzt werden.

    Mit dem beantragten Projekt SIRENE wird das Ziel verfolgt, eine telematisch gestützte und Prozess-gesteuerte Rettungsketten-Suite zu entwickeln, bereit zu stellen und zu verbreiten, die es den Rettungskräften und anderen BOS Organen bei komplexen Einsatzlagen im Wald oder der freien Flur ermöglicht, schnell den Einsatzort zu erreichen. Ein Hauptbestandteil dieser Suite ist der sogenannte „Rettungslotse“, der den Einsatz steuert und die Navigation der Einsatzkräfte auf nicht-öffentlichen Straßen ermöglicht. Die Integration der Rettungskräfte in den digitalen Informationsfluss produziert einen wichtigen Vorteil zur Lenkung der Einsatzkräfte. Anhand eines Routing-Systems mit Angaben zur Qualität der Zugangswege im Wald wird der beste und schnellste Rettungsweg ermittelt und das Einsatzfahrzeug gelotst. Die Befahrbarkeit der Zufahrtswege und deren Einschränkungen stellen bedeutende Kriterien einer Einsatzfahrt dar, die im Rahmen des Projektes methodisch und inhaltlich ausgebaut werden sollen. Die Besonderheiten der Navigation von Einsatzfahrten – insbesondere auf nichtbefestigten Wegen – können mit den Ergebnissen dieses Projektes berücksichtigt werden.

    Die Projektergebnisse dienen dazu, den Rettungsdienst in Deutschland als öffentliche Aufgabe der staatlichen Gesundheitsvorsorge bzw. Gefahrenabwehr für seine Bürger zu stützen und weiter zu qualifizieren. Die zu entwickelten technischen Komponenten sowie die generierten Kompetenzen bilden die Grundlage von Geschäftsmodellen, die sowohl in der Region als auch im Bundesland Hessen als Innovationsmotor dienen sollen.